Server und Speicher
Server kaufen: was in fünf Jahren zählt
Beim Serverkauf schauen die meisten auf Prozessor, Arbeitsspeicher und Festplatten. Das ist richtig, aber es ist der Teil, bei dem man am wenigsten falsch machen kann.
Stand: 21.09.2026
Die teuren Fehler passieren an drei anderen Stellen. Bei der Windows-Version, bei der Zahl der Prozessorkerne und bei den Lizenzen, die im Angebot nicht stehen. Keiner davon fällt am Tag der Lieferung auf. Alle drei fallen in drei oder vier Jahren auf, wenn es teuer wird, sie zu ändern.
Die Version entscheidet, wie lange der Server sicher bleibt
Microsoft veröffentlicht für jede Windows-Server-Version zwei Termine. Bis zum ersten gibt es neue Funktionen und den regulären Support, das nennt Microsoft Mainstream-Support. Bis zum zweiten gibt es noch Sicherheitsupdates, das ist der erweiterte Support.
| Version | Mainstream-Support bis | Sicherheitsupdates bis |
|---|---|---|
| Windows Server 2016 | vorbei seit Januar 2022 | 12.01.2027 |
| Windows Server 2019 | vorbei seit Januar 2024 | Januar 2029 |
| Windows Server 2022 | 13.10.2026 | Oktober 2031 |
| Windows Server 2025 | November 2029 | November 2034 |
Alle Termine stehen auf den Lebenszyklus-Seiten von Microsoft, die Adressen unten bei den Quellen.
Wer heute kauft und fünf Jahre damit arbeiten will, landet bei Windows Server 2025. Sicherheitsupdates bis November 2034, das deckt fünf Jahre mit viel Luft.
Windows Server 2022 ist dagegen die Version, bei der man genau hinsehen sollte. Nach dem 13. Oktober 2026 steht sie im erweiterten Support. Sicherheitsupdates gibt es dann noch fünf Jahre, neue Funktionen nicht mehr. Wer sie jetzt neu kauft, kauft ein System, das vom ersten Tag an in der zweiten Hälfte seines Lebens ist.
Das muss kein Fehler sein. Manchmal verlangt eine Fachanwendung genau diese Version. Dann gehört es aber ins Angebot geschrieben, damit in drei Jahren niemand überrascht ist.
Die Fachanwendung hat das letzte Wort
Bevor Sie eine Version bestellen, fragen Sie Ihr Softwarehaus, auf welcher Windows-Server-Version Ihre Anwendung freigegeben ist.
Die neueste Version ist nicht automatisch die richtige. Hat der Hersteller Ihrer Warenwirtschaft 2025 noch nicht freigegeben, steht der neue Server im Zweifel da und darf nicht in Betrieb. Das ist die Frage, die vor jeder anderen kommt.
Jeder Prozessorkern ist auch ein Lizenzposten
Windows Server wird nach Prozessorkernen lizenziert. Microsoft schreibt: Die Zahl der Kern-Lizenzen „equals the number of physical cores on the licensed server“. Also eine Lizenz je Kern.
Dazu kommen zwei Mindestmengen. Mindestens acht Kern-Lizenzen je Prozessor und mindestens 16 je Server. Wer einen Server mit zwei Prozessoren kauft, zahlt also für beide, auch wenn jeder nur wenige Kerne hat.
Die Listenpreise, die Microsoft nennt, gelten für diese 16 Kerne. Für Windows Server 2025 Standard nennt Microsoft 1.176 US-Dollar, rund 1.024 Euro. Hat Ihr neuer Server 24 Kerne, brauchen Sie 24 Kern-Lizenzen, also die Hälfte mehr.
Für die Euro-Beträge haben wir den Referenzkurs der Europäischen Zentralbank vom 17.09.2026 genommen, 1 Euro = 1,1481 US-Dollar. Mehr als eine Näherung ist das nicht. Microsoft nennt nur US-Dollar und schreibt dazu, dass die Preise je Land abweichen.
Heißt für den Kauf: Ein Prozessor mit mehr Kernen als nötig kostet zweimal. Einmal beim Server und einmal bei der Lizenz. Lassen Sie sich im Angebot schreiben, für wie viele Kerne die Lizenz gerechnet ist.
Standard oder Datacenter: die Frage der virtuellen Server
Auf einem neuen Server laufen oft mehrere virtuelle Server. Das BSI will das so, weil es verlangt, dass wichtige Aufgaben nicht alle auf einem einzigen System liegen.
Wie viele virtuelle Server Sie betreiben dürfen, hängt an der Ausgabe.
Windows Server Standard erlaubt zwei virtuelle Server je Lizenz, dazu den Host, auf dem sie laufen.
Windows Server Datacenter erlaubt beliebig viele.
Datacenter kostet auf der Preisliste 6.771 US-Dollar, rund 5.898 Euro, für dieselben 16 Kerne. Das ist knapp das Sechsfache von Standard, genauer das 5,8-Fache.
Für einen Betrieb mit zwei virtuellen Servern reicht Standard. Wer einen dritten oder vierten braucht, legt eine zweite Standard-Lizenz dazu. Erst wenn es sehr viele werden, lohnt sich die Rechnung, ob Datacenter günstiger ist.
Planen Sie dabei über den heutigen Stand hinaus. Kommt in drei Jahren ein zusätzlicher Terminaldienst oder eine neue Fachanwendung dazu, braucht sie einen Platz.
Die Lizenzen, die nicht im Angebot stehen
Zugriffslizenzen. Jeder Benutzer oder jedes Gerät, das auf den Server zugreift, braucht eine Windows-Server-Zugriffslizenz, kurz CAL. Die Serverlizenz allein reicht nicht für die Firma.
Lizenzen für den Terminaldienst. Wer sich per Remotedesktop am Server anmeldet, braucht zusätzlich eine RDS-CAL.
Und die haben eine Eigenheit, die beim Versionswechsel teuer wird. Sie funktionieren nur rückwärts. Microsoft schreibt, dass ältere RDS-CALs nicht auf neuere Server zugreifen können, neuere aber auf ältere.
Konkret: Eine RDS-CAL für Windows Server 2022 erreicht einen Terminalserver mit 2022, 2019 und 2016. Einen mit 2025 erreicht sie nicht. Wer seinen Terminaldienst auf 2025 hebt, braucht also neue Lizenzen für alle, die sich daran anmelden.
Dazu kommt der Lizenzserver, der die RDS-CALs verwaltet. Er muss mindestens so neu sein wie die Lizenzen, die er aufnimmt. Microsoft lässt nach der Einrichtung 120 Tage Zeit, bis der Lizenzserver da sein muss. Die sind schneller um, als man denkt.
Wo diese Lizenzen in der ganzen Rechnung mit Cloud und eigenem Server stehen, zeigt der Vergleich der beiden Wege.
Was sonst noch in die Bestellung gehört
Eine USV. Das BSI schreibt, jeder Server solle an eine unterbrechungsfreie Stromversorgung. Planen Sie sie mit dem Server, nicht danach.
Platz und Wärme. In der Planungsliste des BSI stehen Stromaufnahme, Wärmelast, Platzbedarf und Bauform. Ein Server, der in keinen Schrank passt oder die Abstellkammer aufheizt, ist schlecht gekauft, auch wenn er schnell ist.
Die Sicherung gleich mitdenken. Für virtuelle Server empfiehlt das BSI zu prüfen, ob sich zusätzlich Schnappschüsse einrichten lassen, also schnelle Zwischenstände zwischen den vollständigen Sicherungen. Ersetzen tun sie die Sicherung nicht. Wie die dazu aussieht, steht im Artikel Backup-Strategie.
Ein Wartungsvertrag mit dem Hersteller. Darf der Server nicht ausfallen, verlangt das BSI Wartungsverträge mit dem Lieferanten. Dann kommt das Ersatzteil, wenn es gebraucht wird, und nicht, wenn es lieferbar ist.
Fünf Fragen an Ihr Angebot
- Welche Windows-Server-Version ist vorgesehen, und bis wann bekommt sie Sicherheitsupdates?
- Hat mein Softwarehaus diese Version freigegeben?
- Für wie viele Kerne ist die Lizenz gerechnet, und wie viele Kerne hat der Server?
- Sind Zugriffslizenzen enthalten, und wenn ja, wie viele und für welche Version?
- Wenn ein Terminaldienst läuft: Passen die RDS-CALs zur neuen Version, und ist der Lizenzserver neu genug?
Wer diese fünf Antworten schriftlich hat, hat ein Angebot, das man in fünf Jahren noch versteht.
Was wir dabei übernehmen
Wir planen Server, bauen die virtuellen Server darauf selbst und betreuen sie danach. Vor einem Umzug auf einen neuen Server fragen wir bei Ihrem Softwarehaus nach, welche Version freigegeben ist. Was zur laufenden Betreuung gehört, steht bei der Server-Wartung.
Ob Sie überhaupt einen neuen Server brauchen, ist eine eigene Frage. Die steht im Artikel Server für kleine Unternehmen. Und welche Termine für Ihre übrige Software anstehen, führen wir auf der Seite zu den Support-Enden.
Quellen
- Lebenszyklus bei Microsoft: Server 2016, Server 2019, Server 2022 und Server 2025.
- Licensing Guidance für Windows Server 2025: Kernmodell mit 8 je Prozessor und 16 je Server, Zugriffslizenzen, Standard und Datacenter.
- Windows Server pricing mit den Listenpreisen für 16 Kern-Lizenzen, dazu der EZB-Referenzkurs vom 17.09.2026.
- Microsoft Learn: Vergleich der Ausgaben (Standard zwei virtuelle Server plus Host, Datacenter unbegrenzt) und RDS-Lizenzen mit Versionsregel, Lizenzserver und 120 Tagen.
- BSI-Grundschutz, Kompendium Edition 2023: SYS.1.1 zu Planung, USV, Rollen und Wartungsverträgen, CON.3.A2 zu Schnappschüssen.
Stand dieser Angaben: 21.09.2026. Diese Kaufhilfe ordnet die veröffentlichten Lizenzbedingungen und Termine von Microsoft ein. Sie ist keine Lizenzberatung im Einzelfall und keine Rechtsberatung. Welche Lizenzen Ihr Betrieb braucht, klärt ein konkretes Angebot.