Server und Speicher
Cloud-Server oder eigener Server: die ehrliche Rechnung
Wer ein Angebot für einen Server im Haus neben eins für die Cloud legt, vergleicht meistens zwei Zahlen, die nichts miteinander zu tun haben.
Stand: 21.09.2026
Das eine ist ein Kaufpreis. Das andere ist eine Monatsrate. Dazwischen liegen ein Zeitraum, ein paar Lizenzen und ein Stromausfall, die in keinem der beiden Angebote stehen.
Diese Seite rechnet Ihnen nichts vor. Sie gibt Ihnen die Posten und die Reihenfolge, in der man sie zusammenzählt. Die Beträge setzen Sie selbst ein, mit Ihren Angeboten.
Erst der Zeitraum, dann die Zahlen
Die eine Stellschraube, die jede Rechnung kippen kann, ist der Zeitraum.
Der eigene Server kostet vorn viel und danach wenig. Die Cloud kostet jeden Monat gleich. Wer kurz vergleicht, landet eher bei der Cloud. Wer lang vergleicht, eher beim eigenen Gerät.
Legen Sie den Zeitraum also fest, bevor Sie irgendein Angebot anschauen. Und nehmen Sie für beide Seiten denselben.
Die Nutzungsdauer, mit der Ihr Steuerbüro den Server abschreibt, taugt dafür nicht als Maßstab. Ein kleiner Server im Tower-Gehäuse darf seit 2021 steuerlich in einem einzigen Jahr abgeschrieben werden (BMF-Schreiben vom 22.02.2022). Über seine Lebensdauer sagt das nichts.
Posten, die auf beiden Seiten stehen
Das ist der Teil, an dem die meisten Vergleiche schief sind.
Zugriffslizenzen. Wer auf einen Windows-Server im eigenen Haus zugreift, braucht eine Zugriffslizenz, jeder Benutzer oder jedes Gerät eine eigene. Microsoft schreibt: „Each user or device that accesses licensed servers requires a Windows Server CAL.“
In der Cloud sieht dieser Posten anders aus. Bei Windows-Servern in Microsofts eigener Cloud Azure steckt das Zugriffsrecht laut Microsoft schon im Minutenpreis. Wie ein anderer Anbieter das abrechnet, steht in seinem Angebot. Fragen Sie nach, wo der Posten steckt.
Lizenzen für den Terminaldienst. Wer sich per Remotedesktop an einem Windows-Server anmeldet, braucht zusätzlich eine eigene Lizenz dafür, die RDS-CAL. Das gilt im Haus wie in der Cloud, und dieser zweite Lizenzblock wird beim Vergleich regelmäßig vergessen.
Wenn ein Angebot diese Posten auf der einen Seite führt und auf der anderen gar nicht erwähnt, ist der Vergleich noch nicht fertig. Egal, welche Seite dabei gewinnt.
Was eine Zugriffslizenz kostet, nennt Microsoft auf seinen Lizenz- und Preisseiten nicht. Den Preis bekommen Sie nur im Angebot.
Posten, die nur der eigene Server hat
Das Betriebssystem. Microsoft nennt auf seiner Preisseite unverbindliche Listenpreise. Windows Server 2025 Standard steht dort mit 1.176 US-Dollar, rund 1.024 Euro. Datacenter mit 6.771 US-Dollar, rund 5.898 Euro. Beide Preise gelten für 16 Kern-Lizenzen, und beide verlangen die Zugriffslizenzen von oben dazu.
Die Euro-Beträge sind umgerechnet zum Referenzkurs der Europäischen Zentralbank vom 17.09.2026, 1 Euro = 1,1481 US-Dollar, und nur als Näherung zu lesen. Microsoft schreibt selbst dazu, dass die Preise je Land abweichen. Ob netto oder brutto, steht nicht dabei.
Die unterbrechungsfreie Stromversorgung. Eine USV gehört in jede Rechnung für den eigenen Server. Das BSI schreibt: „Jeder Server SOLLTE an eine unterbrechungsfreie Stromversorgung (USV) angeschlossen werden.“
Und ihre Batterien altern. Eine USV ist kein Kauf für immer.
Platz, Strom und Wärme. In der Planungsliste des BSI für Server stehen „Leistungsaufnahme, Wärmelast, Platzbedarf und Bauform“. Das sind Kosten, auch wenn sie auf der Stromrechnung und nicht auf der Serverrechnung auftauchen. Wo der Serverraum gekühlt werden muss, kommt die Kühlung dazu.
Der Wartungsvertrag mit dem Lieferanten. Für Server, die nicht ausfallen dürfen, verlangt das BSI Redundanz und „Wartungsverträge mit den Lieferanten“. Gemeint ist die Zusage des Herstellers, bei einem Defekt Ersatzteile zu liefern. Auch das kostet jedes Jahr.
Das Sicherungssystem. Die Sicherung ist ein eigenes Gerät oder ein eigener Dienst, nicht Teil des Servers. Das BSI will sogar, dass vor dem Kauf eine eigene Anforderungsliste dafür geschrieben wird.
Posten, die nur die Cloud hat
Die Leitung. Liegt der Server in der Cloud, arbeitet jeder über den Internetanschluss. Und im Ernstfall kommen alle Daten über dieselbe Leitung zurück. Das BSI empfiehlt für ausgelagerte Sicherungen, dass Sicherungssystem und Netzanbindung die zulässigen Wiederherstellungszeiten einhalten.
Wenn Ihr Anschluss das heute nicht schafft, gehört ein besserer Anschluss in die Rechnung. Oder eine zweite Leitung, falls die erste ausfällt.
Der Vertrag und was er zusagt. Was ein Anbieter zur Verfügbarkeit verspricht, steht im Vertrag, nicht auf der Werbeseite. Das BSI nennt die Punkte, die es im Vertrag geregelt sehen will: Ort der Daten, zugesagte Verfügbarkeit, Anmeldung, Verschlüsselung beim Speichern und beim Übertragen.
Eine höhere Zusage kostet mehr. Eine niedrigere kostet im Ernstfall mehr. Beides gehört in die Rechnung.
Auch der eigene Server lässt sich monatlich bezahlen
Ein Punkt, den man kennen sollte: Microsoft bietet die Lizenz für Windows Server inzwischen auch im Monatsmodell an, über einen Dienst namens Azure Arc. Der Listenpreis liegt bei 33,58 US-Dollar je Prozessorkern und Monat, rund 29 Euro.
Bei 16 Kernen sind das rund 468 Euro im Monat, gerechnet. Der Kaufpreis der Standard-Lizenz ist damit nach gut zwei Monaten erreicht, ebenfalls gerechnet.
Klingt nach einem klaren Fall für den Kauf. Zwei Dinge gehören aber dazu. Im Monatsmodell gibt es keine unbegrenzte Virtualisierung, das schreibt Microsoft ausdrücklich. Und ob für das Monatsmodell Mindestmengen gelten, haben wir für diese Rechnung nicht geprüft. Nehmen Sie die Zahl als Größenordnung, nicht als Angebot.
Was ein Ausfall wert ist, entscheidet über alles andere
Der teuerste Posten steht in keinem Angebot. Es ist der Tag, an dem nichts geht.
Das BSI gibt dafür eine Reihenfolge vor, und sie ist die einzige, die nicht ins Bauchgefühl führt. Zuerst legt der Betrieb fest, wie viel Datenverlust er aushält. Im Fachjargon heißt das Recovery Point Objective, kurz RPO. Gemeint ist: Wie viele Stunden Arbeit dürfen im schlimmsten Fall verloren sein? Danach wird festgelegt, wie schnell alles wieder laufen muss.
Erst wenn diese beiden Zahlen stehen, lässt sich sagen, was die Absicherung kosten darf. Aus der RPO folgt zum Beispiel direkt, wie oft gesichert werden muss.
Wer so rechnet, vergleicht am Ende keine Kaufpreise mehr. Er vergleicht zwei Wege, dasselbe Ziel zu erreichen. Was ein Tag Stillstand bei Ihnen kostet, rechnen Sie mit dem IT-Ausfall-Rechner aus.
Die Rechnung in fünf Schritten
- Zeitraum festlegen. Für beide Seiten derselbe.
- Gemeinsame Posten auf beide Seiten schreiben. Zugriffslizenzen, auch wenn sie in der Cloud im Preis stecken, Lizenzen für den Terminaldienst und die Sicherung außerhalb des Systems.
- Posten nur für den eigenen Server. Betriebssystem, Hardware, USV, Platz, Strom, Wärme, Wartungsvertrag, Sicherungssystem.
- Posten nur für die Cloud. Monatsrate über den ganzen Zeitraum, Leitung, gegebenenfalls zweite Leitung, die Verfügbarkeitszusage im Vertrag.
- Den Ausfall bewerten. Wie viel Datenverlust, wie lange Stillstand, und welcher Weg das zu welchem Preis schafft.
Der fünfte Schritt entscheidet. Die ersten vier sagen nur, ob die Rechnung ehrlich ist.
Wie wir dabei helfen
Wir betreuen Server im Haus genauso wie virtuelle Server und gemischte Aufbauten. Wie unsere Pauschale für einen Server aufgebaut ist, steht bei So rechnen wir ab.
Wenn Sie zwei Angebote auf dem Tisch haben, legen wir die fünf Schritte daneben. Danach wissen Sie, welche Posten fehlen, bevor Sie unterschreiben. Mehr dazu, welcher Weg zu welchem Betrieb passt, steht im Artikel Server für kleine Unternehmen.
Quellen
- Microsofts Preisseite zu Windows Server: Listenpreise für 16 Kern-Lizenzen, Pflicht zur Zugriffslizenz, Monatspreis über Azure Arc und der Hinweis auf abweichende Preise je Land.
- Zugriffslizenz je Benutzer oder Gerät: Licensing Guidance zu Windows Server 2025. Dass sie in Azure im Minutenpreis steckt: Lizenz-FAQ zu Azure, gelesen am 21.09.2026.
- Microsoft Learn, Lizenzen für Remote Desktop Services (RDS-CAL je Benutzer oder Gerät, auch in Azure).
- BSI, Grundschutz-Kompendium 2023: SYS.1.1 mit Planungsliste, USV und Wartungsverträgen, CON.3 mit Anforderungsliste, Vertragspunkten und RPO, INF.5 zu alternden Batterien.
- BSI, Umsetzungshinweise zum Datensicherungskonzept: Aus der RPO lassen sich die Intervalle der Sicherung ableiten.
- Referenzkurs der EZB zum US-Dollar, Wert vom 17.09.2026.
- BMF-Schreiben vom 22.02.2022 (BStBl I S. 187) zur Nutzungsdauer von Computerhardware, im Amtlichen Einkommensteuer-Handbuch 2025, am 21.09.2026 dort gelesen.
Stand dieser Angaben: 21.09.2026. Diese Rechenhilfe beruht auf den veröffentlichten Listenpreisen von Microsoft und den Anforderungen des BSI. Sie ist keine Preiszusage, keine Steuerberatung und keine Rechtsberatung.